Artikel | 09/06/2021 12:15:35

"Wie reagieren Bäume auf den Klimawandel?"

Aufmacherfoto : Richard Hamilton Smith


 

Am Standort Blandin im US-Bundesstaat Minnesota haben UPM Experten ein konsistentes Biodiversitäts-Konzept entwickelt, um ihre Wälder für die Zukunft zu wappnen und die Holzproduktion zu sichern. Waldökologe Sawyer Scherer erklärt, wie genau das funktioniert.


Die wichtigste Frage beantwortet Sawyer Scherer gleich zuerst: Was genau bedeutet Smart Forestry℠? "Während Förster früher allein die Bäume und deren Produktivität betrachteten, schauen wir auf das gesamte Ökosystem und dessen langfristige Entwicklung. Wir haben verstanden, dass es allen hilft, wenn wir unser Forstmanagement gezielter auf die Natur und ihre Bedürfnisse hin ausrichten – dem Klima, der Artenvielfalt, den Menschen und dem Unternehmen. Auf Basis dieser Leitgedanken haben wir unser eigenes Konzept für UPM Blandin entwickelt."

Sawyer portrait.jpgSawyer Scherer arbeitet seit fünf Jahren für UPM in Blandin.

Scherer, 30, ist ein Waldökologe, der gemeinsam mit vier Rangern und einem Ressourcen-Manager die Wälder von UPM in Minnesota bewirtschaftet – auf einem Gesamtareal von 1880 km2, etwa dem Zweieinhalbfachen der Fläche von New York City. Das Team sorgt dafür, dass der Wald produktiv bleibt – mit den bestmöglichen Pflanzungen, der passenden Ernte im richtigen Moment, der optimalen Regeneration. Waldbewirtschaftung hat im nordwestlichen US-Bundesstaat eine lange Tradition.

Das Papierwerk Blandin in Grand Rapids, rund 100 Kilometer westlich des Lake Superior, wurde 1901 gegründet und zählt zu den führenden Herstellern leichter Druckpapiere auf dem Kontinent. Natur ist wichtig in Minnesota – der Staat verfügt über große Wälder, tausende Seen und ein reichhaltiges Ökosystem. Umso mehr sorgt man sich in Minnesota um dessen Zukunft. Und umso bedeutender ist in diesem Zusammenhang die Smart Forestry℠-Methode.

Monokulturelle Wälder sind weniger resistent

Die Umstellung auf Smart Forestry℠ hat viele Gründe, aber der wichtigste davon ist der Klimawandel, und das Losungswort lautet Biodiversität. "Jahrzehntelang haben Holzunternehmen oft nur Baumarten gepflanzt, die ihren Bedürfnissen entsprachen. In diesem Fall die Weißfichte – schnell wachsend, gut für Bau- und Papierprodukte geeignet. Heute gilt dieser Ein-Kulturen-Ansatz als überholt. Uns Förster bewegt immer stärker die Frage: Wie regieren Bäume auf Veränderungen?", sagt Sawyer Scherer. "Das Problem ist nämlich: Monokulturelle Wälder sind ungleich weniger resistent gegen Insektenbefall und Krankheiten, Überschwemmungen und Dürreperioden, Bodenerosion, invasive Arten und den Klimawandel insgesamt."

 

Genau hier setzt Smart Forestry℠ an. "Die Weißfichte ist auch heute noch die vorherrschende Baumart. Aber wir pflanzen sie heute in Ökosystemen, in denen sie von Natur aus vorkommt." Unter den rund 600.000 Bäumen, die im Schnitt jährlich von UPM Blandin gepflanzt werden, sind verstärkt auch Rotkiefer, Balsamtanne, Weißkiefer und andere Arten.

Konkret bedeutet Smart Forestry℠ hier, nur Bäume zu pflanzen, die in einem Gebiet auch wirklich wachsen wollen – je nach Boden, Wind, Niederschlag, Vegetation und Relief. So entstehen Wälder mit vielen Baumarten, Bäumen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Größe. "Langfristig, wenn die Bäume ein hohes Alter erreicht haben, lohnt sich diese Strategie auch wirtschaftlich. Sie begrenzt das Verlustrisiko deutlich und schützt den Wald als Ressource ungleich besser", sagt Sawyer Scherer.

Flankiert wird dieser Ansatz durch ein Lebenszykluskonzept, mit dem Scherers Team die Entwicklung der Bäume vom Setzling an untersucht und die Auswirkungen etwa von Abstandsregelungen oder Verjüngungsernten auswertet. So werden wertvolle Lebensraum-Kriterien in die Forstplanung integriert. Auch die konsequente Nutzung von Totholz als Areal für Flechten, Moose, Pilze und Tierarten spielt dabei eine zentrale Rolle.

 

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Während monokulturelle Pflanzungen (Foto li.) lange vorherrschten, haben biodivers angelegte Wälder (re.) heute aufgrund des Klimawandels an Bedeutung gewonnen.

 

In der Branche hat sich Smart Forestry℠ längst herumgesprochen und sorgt für rege Diskussionen in der Branche. Regelmäßig tauscht sich Sawyers Team mit Förstern und Wissenschaftlern der Region sowie mit anderen UPM Standorten aus und teilt seine Erfahrungen in Foren wie dem Forest Responsibility Network. Das Konzept des UPM Blandin Teams soll möglichst vielen als Blaupause dafür dienen, wie unsere Wälder zukunftssicher gemacht werden können.

Am wichtigsten ist eine langfristige Strategie

Was andere von Smart Forestry℠ lernen können? "Am wichtigsten ist eine langfristige Unternehmensstrategie", resümiert Sawyer Scherer. UPM hat eine Grunddienstbarkeit, die sicherstellt, dass das Land intakt und der Arbeitswald erhalten bleibt. So können die UPM Forstmanager bei der Bewirtschaftung in großen Zeiträumen denken und agieren, eben weil der Wald nicht anders genutzt werden kann. "Und nicht zuletzt ist Smart Forestry℠ auch ein wichtiges Instrument gegen den Klimawandel – indem es intakte Wälder erhält, die der Luft CO2 entziehen und so entscheidend dazu beitragen, Emissionen auszugleichen."

UPM Blandin Forst und Papierfabrik:

Ort: Grand Rapids, Minnesota, USA
Gegründet: 1901
UPM standort seit: 1997
Forstfläche: ca.188,000 hektar
Baumpflanzungen p.a.: ca. 600,000
Mitarbeiter: 240
Produktionskapazität: 225,000 t/Jahr
Papierprodukte: Coated magazine papers (LWC) - Cote H, Cote G, Cote Plus H, Cote Silk, Cote Plus G, Ultra H, Ultra Plus H, Ultra Silk H, Ultra G.

 

Kontakt:
UPM Blandin paper mill
115 SW First Street
Grand Rapids,
MN 55744-3699
USA
tel: +1 218 327 6200

UPM Blandin