Eine Zeitschrift für Blogs

Eine Zeitschrift für Blogs

Ein Serviceangebot für vielbeschäftigte Leser: Kotiblogit ist eine Printpublikation, die eine Auswahl der besten finnischen Blogs präsentiert. Im Internet konkurrieren Blogger um Leser, ob sie nun regelmäßig oder nur sporadisch etwas veröffentlichen. Die finnische Zeitschrift Kotiblogit („Heimische Blogs") bietet Bloggern eine erstaunliche Alternative: Sie können ihre Beiträge in gedruckter Form veröffentlichen.

Millionen Menschen weltweit sind mittlerweile mit dem Phänomen des Bloggens vertraut. Blogs haben sich zu einem Medium entwickelt, durch das sich Menschen frei und grenzenlos über ihr Leben und ihre Interessen austauschen können. Zugleich sind Blogs auch eine wertvollen Ressource im Berufsleben. Von Mitarbeitern wird erwartet, dass sie frei formulierte Beiträge über ihre Arbeit verfassen können. Auch unser Unternehmen ist da keine Ausnahme: Auf unserer Website gibt es einige Blogs, die Einblicke in die Arbeit eines Unternehmens der Forstindustrie bieten.

Eeva Ek ist eine finnische Verlegerin, die sich schon lange für Blogs interessiert. Es gab jedoch ein Problem: nicht genug Zeit. „Es gibt über 100.000 Blogs auf Finnisch. Einige verschwinden schnell wieder von der Bildfläche, andere bestehen über Jahre hinweg. Es ist nahezu unmöglich, sich einen Überblick über die ganze Szene zu verschaffen. Unter den Blogs gibt es echte Schmuckstücke, aber nach der Arbeit hatte ich oft einfach keine Zeit, um mich mit ihnen zu beschäftigen", sagt Ek.

Als Ek vor ein paar Jahren begann, ihre Gartenzeitschrift Terassi („Terrasse") herauszugeben, erhielt sie Zuschriften von vielen Bloggern. Eks Interesse an Blogs wurde noch größer. Und dann hatte sie eine zündende Idee: eine Zeitschrift, die die besten Blogs präsentiert. 

Das Redaktionsteam wählte verschiedene Themen für die Zeitschrift aus. Das Ziel dabei war, eine möglichst vielfältige Auswahl an Blogs anzubieten, die sich speziell an berufstätige Frauen richten, die wenig Zeit haben. Das Team war jedoch selbst vom großen Erfolg der Zeitschrift überrascht. Ek denkt nun sogar darüber nach, eine Ausgabe herauszubringen, die sich an Männer richtet. 2017 wird es fünf Ausgaben von Kotiblogit geben.

Ein überraschender Erfolg

Das Prinzip des Formats ist einfach: Die Redaktion durchforstet das Internet nach verschiedenen Arten hochwertiger Blogs, nimmt Kontakt mit den Bloggern auf und fragt sie, ob sie Interesse an einer Vorstellung ihrer Blogs im Printformat haben. Die Zusammenarbeit erfolgt ohne Bezahlung, da die Blogger ihre Texte und Bilder der Zeitschrift kostenlos zur Verfügung stellen.

„Die Blogger können sich selbst aussuchen, was sie uns an Material zur Verfügung stellen wollen. Wir helfen ihnen beim Lektorat, da die Leser bei einem Printmedium fehlerfreie Sprache erwarten", erklärt Ek.

Die Zusammenarbeit war für viele Blogger eine spannende Erfahrung. An die Titelseite einer Zeitschrift, auf der das eigene Haus prangt, erinnert man sich wahrscheinlich sein ganzes Leben.

Die Blogger versprechen sich mehr Publicity und neue Leser für ihre Blogs. Häufig funktioniert das. Manchmal werden sogar Werbetreibende und Verleger auf die Blogger aufmerksam. „Ich weiß, dass manche Verträge für Bücher angeboten bekamen", sagt Ek.

In der Anfangsphase der Zeitschrift hat Ek sich auf dem internationalen Markt nach Beispielen für die Kombination aus Blogs und Printmedien umgesehen. Es gab keine. Sie sagt: „Kotiblogit ist eine sehr finnische Erfindung".

Schwerpunkt Essen

Alexander Trivedi aus Helsinki war einer der Blogger, die im Frühjahr in Kotiblogit vorgestellt wurden. In seinem Text beschäftigte er sich mit Picknicks. Er ist Koch, der nebenbei einen Blog zum Thema Essen schreibt. Sein Blog Aitoa arkiruokaa („Authentische Gerichte für den Alltag") bietet seinen Lesern thematisch geordnete Rezepte.

Trivedi bloggt seit etwa eineinhalb Jahren. Er arbeitet als Koch in einer Vorführküche bei Stockmann, dem bekanntesten Kaufhaus in Helsinki. In seinem Beruf setzt er kommerzielle Rezepte um.

Beim Bloggen hingegen kann Trivedi ganz er selbst sein. „Wenn man heute Karriere machen will, muss man aktiv werden und in eigener Sache Werbung machen. Ein Blog ist so etwas wie ein Live-Lebenslauf, der auch Bilder enthält", sagt Trivedi. Auch seine Freundin ist am Blog beteiligt. Trivedi kocht und schreibt die Rezepte, aber um die Fotos kümmert sich das Paar gemeinsam. Beide legen Wert auf die Authentizität der Fotos und verzichten deshalb größtenteils auf die Nachbearbeitung, die man in Zeitschriften häufig sieht.

Dem Food-Blogger sind einige Unterschiede zwischen den Printmedien und der Online-Veröffentlichung aufgefallen. Zum Beispiel kann man auf Fragen und Kommentare online recht schnell antworten, während dies bei der gedruckten Zeitschrift nicht möglich ist. „Für einen Printartikel muss man sich viel eingehender und ausführlicher mit der Materie beschäftigen. Die Anweisungen müssen sehr klar sein. Zeitschriftenartikel bieten einem die Chance, etwas dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln", sagt Trivedi.

Die Erfahrung mit dem Printmedium hat Trivedi auf neue Ideen gebracht. Und das professionelle Layout bietet ebenfalls eine neue Perspektive auf sein Material.

Reisegeschichten und Lifestyle-Blogs

Der Reiseblog Lähtöportti („Abflug-Gate") und der Lifestyle-Blog Sopusointuja („Harmonien") sind auch schon in der Zeitschrift Kotiblogit vorgestellt worden. Mika Väistö ist Verfasser des ersteren, während Maarit Veromaa den zweiten schreibt. Beide bloggen seit eineinhalb Jahren.

Väistös Blog zeichnet sich durch eine gelungene Mischung aus Fakten und persönlicher Erfahrung aus. „Über die Jahre habe ich Reisegeschichten für mich selbst aufgeschrieben. Jetzt überarbeite ich sie für die Veröffentlichung im Blog. Es ist wichtig, Erfahrungen aufzuschreiben, wenn sie noch frisch im Gedächtnis sind, aber wenn ich gerade nichts Neues zu berichten habe, kann ich immer auf eine Geschichte von früheren Reisen zurückgreifen", erklärt Väistö. Sein Blog erzielt immer dann die größte Aufmerksamkeit, wenn er über Ziele in Finnland oder Schweden schreibt, also solche, die nicht allzu weit entfernt sind.

Väistö hat als Werbetexter gearbeitet und kennt sich mit den Redaktionsprozessen einer Zeitschrift aus. Aber auch für ihn war es etwas Besonderes, seinen eigenen Artikel in gedruckter Form zu sehen. Die Zeitschrift hatte ein schönes Layout und er war mit dem Endergebnis rundum zufrieden. „Blogs sind ein Medium, um Geschichten in der ersten Person zu erzählen. Im Allgemeinen sind Blogs eher Ausdruck der Persönlichkeit ihrer Autoren als Zeitschriftenartikel. In meinen Blogs kann ich meine Persönlichkeit zwischen den Zeilen erkennen", sagt Väistö. „Ich halte Printmedien für wichtig und lese bestimmte Reisezeitschriften gerne auf Papier. Längere Geschichten lese ich lieber gedruckt", fügt Väistö hinzu.

Maarit Veromaa schreibt einen tagebuchähnlichen Blog über verschiedene Themen, wie etwa Styling, Reisen und Inneneinrichtung. Ihre Freunde haben einen großen Anteil daran, dass sie den Blog startete, denn sie haben sie stets zum Schreiben ermuntert. Veromaa hatte eine Menge Tipps und Rezepte auf Lager, die schon viele begeistert haben. „Ich bin praktisch veranlagt und begeisterungsfähig, deshalb habe ich anderen eine Menge mitzuteilen. Das Schreiben fällt mir leicht", sagt Veromaa.

Allerdings nimmt das Bloggen Zeit in Anspruch und die Themen wollen gut vorbereitet sein. Der Ausstieg aus dem Berufsleben bot ihr schließlich die Chance, sich nur auf das Schreiben und die Fotografie zu konzentrieren.

Mehr Besucher

Veromaas Blogs wurden bereits zwei Mal in der Zeitschrift Kotiblogit vorgestellt. „Es ist schön, zu sehen, dass mein Blog Aufmerksamkeit erhält und dass ich eingeladen wurde, mitzumachen. Ich denke, dass Printmedien und Social Media verschiedene Leser ansprechen. Es kann gut sein, dass wegen der Zeitschrift jetzt mehr Besucher auf meine Website kommen. Im Januar 2017 hatte ich 100.000 Besucher. Ende März waren es schon 50.000 mehr", sagt Veromaa.

Veromaa schreibt online in einem lockeren Ton. Für die Printausgabe musste sie die Texte anders angehen. „Online kann jeder alles schreiben, aber nicht alles ist gut genug, um es zu drucken. Als ich gefragt wurde, war mein erster Gedanke: ‚Wow, mein Text wurde von einer Zeitschrift ausgewählt!'. Man muss für die Printmedien sorgfältiger schreiben, also war ich beim Schreiben deutlich kritischer mit mir", erklärt Veromaa. „Printmedien haben einen höheren Stellenwert als Online-Medien. Ich denke, dass eine gedruckte Veröffentlichung dem Text mehr Glaubwürdigkeit verleiht."

 Text: Helen Moster, Foto: Kotiblogit